Die Dehnbarkeit eines Maschenstoffs kommt aus zwei Quellen: aus der Maschenstruktur selbst oder aus zugesetztem Elastan (Lycra). Wer weiß, woher der Stretch kommt, kauft keinen Stoff, der schon nach einer Saison ausleiert. Das sind die acht Konstruktionen, die im Großhandel am häufigsten angefragt werden.
Die 8 elastischen Stoffarten
- Baumwoll-Elastan-Jersey (92/8): 4-Wege-Stretch und Atmungsaktivität. Die vielseitigste Basis überhaupt, 160-220 g/m².
- Stretch-Scuba: Doppeljersey mit fester Rückstellkraft. Dehnt sich, ohne den Stand zu verlieren — deshalb in strukturierten Teilen, 250-350 g/m².
- Rippstrick (Rib): Der Stretch kommt aus der Rippenstruktur, nicht aus Elastan. Hervorragende Rückstellung in Bündchen, Kragen und Bünden.
- French Terry mit Lycra: Schlingenware innen auf elastischer Basis. Der Standardstoff für Jogger und Sommer-Sweatpants, 200-280 g/m².
- Interlock mit Elastan: stabiler, blickdichter Doppeljersey mit 2-Wege-Stretch. Häufig als Futter und für Unterwäsche, 120-180 g/m².
- Power Mesh: sehr leichte, offene Maschenware mit hohem Elastananteil — Shapewear, innere Stützlagen, technische Futter.
- Elastischer Samt-Look-Strick: Florfläche auf Stretchbasis, für Anlass- und Premium-Loungewear.
- Stretch-Piqué: klassisches Piqué mit 3-5% Elastan für taillierte Polos, bei denen der Kragen in Form bleibt.
Wie viel Elastan wirklich nötig ist
| Elastananteil | Verhalten | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| 0% (nur Struktur) | Dehnung und Rückstellung aus der Masche | Rippstrick, Basic-Shirts |
| 3-5% | Bewegungskomfort, natürlicher Fall | Taillierte Shirts, Polos |
| 8-10% | Körpernaher Sitz mit guter Rückstellung | Leggings, Sportbekleidung |
| 12% und mehr | Kompression, deutlich höherer Preis | Shapewear, Kompressionsteile |
Der übliche Bereich für produktionsfertige Ware liegt bei 5 bis 10 Gewichtsprozent. Über 10% verbessert die Rückstellung, verteuert aber den Meter und erschwert den Zuschnitt — die richtige Quote hängt also vom gewünschten Sitz ab, nicht vom Prinzip "je mehr, desto besser".
Der häufigste Denkfehler: Dehnung ist nicht Rückstellung
Ein Stoff kann sich stark dehnen und trotzdem schlecht zurückgehen. Dehnung ist, wie weit er nachgibt; Rückstellung ist, ob er wieder in Form kommt. Knieblasen an Leggings und ausgebeulte Ellenbogen an Sweatshirts kommen fast nie von zu wenig Elastan, sondern von minderwertigem Elastan oder mangelhafter Thermofixierung. Beim Bemustern: das Stück zehn Sekunden in der Breite dehnen und loslassen — bleibt eine Delle, ist die Partie nicht produktionstauglich.
Was in die Spezifikation gehört
Immer exakte Zusammensetzung (z. B. 92% Baumwolle / 8% Elastan), Flächengewicht in g/m², Nutzbreite und Stretchrichtung (2- oder 4-Wege) festlegen. Ohne diese vier Angaben können sich zwei gleich benannte Stoffe auf dem Zuschnitttisch völlig unterschiedlich verhalten.
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